Hoffnungslos…

Wenn es innen so leer erscheint, so tot und leblos…

Wenn alles sinnlos ist…

Dann fragen wir uns wer? Wer fühlt so? Wer im Innen ist das, der nichts fühlt oder dem alles egal ist?

Wer hat diese so vollkommen unaushaltbaren Gefühle der Hoffnungslosigkeit?

Und über drei Ecken herum bekommen wir mit, dass es Einige innen gibt, deren Leben sich genau so anfühlt.

Wir haben dann verucht anzufangen uns mit genau diesen Innens zu beschäftigen. Sie werden angesprochen, werden durch uns berührt, werden angenommen und aufgenomen, soweit uns das eben möglich ist.

Es ist so schwer wohwollend mit Innens zu sein, die so unaushaltbares fühlen und es uns mit spüren lassen.

Aber warum? Warum sind sie so hoffnungslos? Warum diese so schlimmen Gefühle, die nichts anderes zulassen als stumm und starr dazusitzen und zu denken nichts lohnt sich. Nichts zu machen.

Nicht mal Weinen geht.

Wir wissen, sie mussten so viel Schlimmes aushalten, machen, dass das ganze Leben wie ein großer Schmerz ist.

Wir wissen um die Dinge und es ist unaussprechlich.

Ein Versuch ist es wert ihnen unsere Welt zu zeigen, die auch Schöne Dinge bereit hat. Es ist eine andere Zeit.

Aber wie soll man das machen, wenn dieses Gefühl der Hoffnungslosigkeit uns alle so sehr einnimmt, uns so ausfüllt, dass einfach nichts mehr geht?

Ein Dilemma.

Wir haben jetzt eine Brille…

Wir haben jetzt eine Brille!

Das ganze Prozedere im Vorfeld war ein Wahnsinn. Zig mal sind wir zum Augenarzt gegangen und die Untersuchungen zur Sichtkorrektur ist jedesmal anders ausgefallen. Im Alltag ist uns sehr wohl aufgefallen, dass wir mal besser mal schlechter sehen können, aber dies auch beim Augenarzt bescheinigt zu bekommen war echt crazy.

Beim Optiker werden die Augen dann nochmal vermessen und huch – wieder anders. „Ich glaube ich gebe ihnen nochmal eine halbe Dioptrie obendrauf für beide Augen.“ Na ok. Auf irgendwas müssen wir uns ja einigen und dann lieber auf ein bisschen mehr, als hinterher wieder nicht richtig sehen zu können. Abnehmen können wir die Brille ja immernoch.

Und dann das Aussuchen des Brillengestelles…. Teilweise war es ja wirklich lustig von allen Modellen, bunt bis schlicht, eckig bis rund, groß bis klein, hell und dunkel,… alle auf dem Tisch liegen zu haben… die Optikerin schier am Verzweifeln… Tagelanges Nachdenken, Überdenken, hin und her überlegen… und ja, wir haben uns für eine entschieden, aber das war vielleicht ein Kampf.

Wie toll es ist wieder sehen zu können, wieder ordentlich lesen zu können, ohne dass die Arme zu kurz sind, wieder die Blätter an den Bäumen einzeln sehen zu können, wieder zu sehen was man auf dem Teller hat,… Super Sache.

Und jetzt sind wir den ganzen Tag dabei die Brille auf und wieder ab zu setzen. Das ist schon ulkig!

Wieder mittendrin

Wieder mittendrin. Lange waren wir total out of order. Ohne Therapie, ohne Anbindung im Außen, aber auch ohne Zusammenhalt im Innen. Wie befürchtet hat sich das Innen verselbstständigt. Wir schaffen es einfach nicht ohne Therapie zusammen zu arbeiten, einander zuzuhören und in eine Richtung zu gehen. Nach langem überlegen und viel Innenchaos haben wir uns schließlich dazu entschieden wieder zu unserer Therapeutin zu gehen und neu anzufangen.

Und schon sind wir wieder mittendrin. Unsere Thera schafft es einfach zu Innens Kontakt aufzunehmen, die Schlüsselpositionen inne haben und die unser Leben, unser Handeln bestimmen und die Fäden ziehen. Und wieder werde ich traurig und bin entsetzt darüber wie viel an mir vorbei geht, wie wenig Kontrolle ich über das Leben und unser Sein habe und bin verwundert wie unser Wir-Sein funktioniert. Wir fangen nicht bei Null an, aber die Erkenntnisse fühlen sich neu an. Als hätte sich alles neu formiert in der Zeit ohne Therapie und zwar alles ohne mich.

Wir leben Alltag, das funktioniert, wir glauben alles läuft gut und es gibt keine Zeitlücken. Wir schaffen unsere täglichen Arbeiten, mal mehr mal weniger gut, aber meistens so, dass wir damit zufrieden sind.

Und dann kommt BÄM die Therapie und es stellt sich raus dass gar nichts gut läuft. Wir waren weg, haben Telefonate geführt, sind an Orten gewesen, wo wir nie wieder hingehen wollten, dachte ich jedenfalls, aber nein, wir (Alltagssystem) haben Null Kontrolle über das was mit uns passiert. Das macht uns sowas von fertig.

Warum kann die Kommunikation mit den Innens, die glauben sie müssten noch Kontakte halten, nicht einfach mal funktionieren, auch ohne dafür extra zur Therapie gehen zu müssen. Das macht uns abhängig und genau das wollten wir nie wieder sein.

Es drängt sich der Eindruck oder die Erkenntnis auf, dass, je besser es uns Alltagsleuten geht, desto weniger bekommen wir von innen mit. Und das bedeutet, dass die Spaltungen größer werden, die Barrieren im Innen wieder aufgebaut werden, dass wir nicht zusammen arbeiten. Im Umkehrschluss heißt das zwar auch, je mehr wir voneinander wissen, je näher wir uns kommen, je mehr Mauern abgebaut werden, desto schlechter geht es uns (erstmal) und das Innenchaos ist perfekt. Ein Scheiß ist das doch.

Nun müssen wir also wieder beginnen uns im Innen anzunähern und damit klar zu kommen, dass die Erkenntnisse, Gefühle die da kommen einfach nur grausam sind.

Es ist nicht leicht für die Innenpersonen, die von den anderen getrennt sind und zum Beispiel deren Schmerzempfinden dissoziiert werden musste, zu realisieren, wie schlimm und grausam das gewesen ist, was dem Körper angetan wurde. Es ist so schwierig, weil die Täter ja genau das beabsichtigt haben, uns so sehr voneinander zu trennen, dass wir uns nicht begegnen und dass niemand das spürt und erkennt was einem anderen angetan wurde.

Es ist für mich und andere aus unserem Alltagssystem so schwer zu realisieren, was andere Innens tun mussten und wozu sie gezwungen wurden und dies dann auch noch einzuordnen und zu verstehen wie und warum…

Aber wir hoffen, dass wir nun wieder auf einem guten Weg sind uns weiterhin anzunähern, uns zu verstehen und zu begegnen.

Puh.

6 Wochen Therapeutensuche

Nun sind wir seit 6 Wochen auf der Suche nach einer neuen Therapeutin. Leider ohne Erfolg. Wir hatten Ersttermine, haben Telefonate geführt und Listen abgearbeitet, alles ohne ein Licht am Ende zu sehen. Entweder haben die Therapeuten keinen Platz frei und wenn wir einen Termin bekommen haben und unsere Diagnose und den Hintergrund erzählt haben, dann kam als Antwort, dass sie zu wenig Erfahrung haben oder keine Kraft für so eine langwierige und schwierige Therapie. Die Therapeuten empfehlen sich alle gegenseitig, so dass wir dadurch auch nicht weiter kommen.

Unsere Taktik war es ungeschönt die volle Wahrheit, unsere Geschichte und die daraus resultierenden Probleme konkret zu benennen, vielleicht war das der Fehler? Danach machten alle Theras einen Rückzieher. Aber wir wollen auch keine Therapie beginnen und dann erst nach und nach berichten worum es wirklich geht und damit die Theras Stück für Stück überfordern. Dann lieber keine Therapie.

Aber so langsam lässt unsere Angst so völlig ohne Thera zu sein nach, denn wir merken es geht auch ohne. Irgendwie geht es weiter und wir lenken uns ab mit aufräumen und ausmisten, Ballast abwerfen um so vielleicht neu zu starten.

Irgendwie denken wir allerdings auch darüber nach zu unserer ehemaligen Thera zurück zu gehen, statt ganz ohne weiter zu machen. Da wütet ein innerer Kampf in uns. Das wäre dann sowas wie ein Notnagel, was für alle Beteiligten keine gute Basis darstellt, aber ob wir es versuchen sollten?

Es wird auf jeden Fall nicht so einfach sein die Diskrepanzen zwischen uns zu beseitigen und wieder eine vertrauensvolle Basis zu etablieren. Das wäre ein hartes Stück Beziehungsarbeit.

So sind wir hin und her gerissen, immernoch….

Therapie Ende

In der letzten Zeit ist einiges schief gelaufen. Unsere Therapeutin, seit mittlerweile 5 Jahren, ist nicht mehr unsere Therapeutin. Wir haben die Therapie bei ihr abgebrochen, weil so viel passiert ist, das wir nicht mehr aushalten können. Wir haben dann gemeinsam beschlossen, dass es keine gemeinsame Basis mehr gibt und die Therapie somit nicht mehr gut und hifreich ist. Das was jetzt ganz kurz zusammengefasst, aber real war es eine totale Katastrophe und ein ziemlich aufwühlender Prozess bis die Entscheidung gefallen war die Therapie abzubrechen.

Die ganzen Gründe sind vielfältig und komplex, aber ein Hauptgrund war, dass unsere Therapeutin uns regelrecht vorgeworfen hat wieder bei den Tätern gewesen zu sein, obwohl das einfach mal nicht wahr ist. Natürlich können wir das nicht hundertprozentig ausschließen, aber sie sagt es gibt keine gemeinsame Therapiebasis mehr, wenn wir es nicht zugeben und das können wir nicht. Sie wirft uns vor zu lügen und das können wir nicht auf uns sitzen lassen.

Es ist total schade, weil wir immer gut mit der Thera arbeiten konnten und auch sehr weit gekommen sind. Nun ist es vorbei.

Jetzt sind wir innerlich total zerrissen. Es gibt Innens, die weinen der Thera so sehr nach, so dass es weh tut, es gibt Innens, die massiv wütend sind und es gibt Innens, die sachlich darüber nachdenken können und die Entscheidung getroffen haben die Therapie bei ihr nicht fortzuführen. Aber allgemein wissen wir nicht mehr wo oben und wo unten ist.

Das bedeutet nun für uns, dass wir eine neue Therapeutin suchen müssen und das stresst total. Es ist ja nicht so einfach eine gute und passende Therapeutin zu finden, vor allem nicht hier in unserer Gegend.

Es heißt also funktionieren und weiter machen, obwohl es uns den Boden unter den Füßen weggezogen hat.

Wir haben Angst, Angst ohne Therapie zu sein, denn Therapie hilft uns zu verstehen, zu erkennen und es ist ein Ort, wo wir darüber reden können. Wir haben Angst, dass es uns nun zu den Tätern zurück zieht, denn wir fühlen uns alleine und wahnsinnig einsam und verlassen. Wir kämpfen dagegen an und erklären im Innen, dass es nur eine Phase ist und wir bestimmt wieder Hilfe bekommen, aber versprechen können wir das ja nicht. Und es braucht Zeit. Es ist eine gefährliche Situation für uns, das ist uns klar. So ohne einen Bezugshelfermenschen hier vor Ort.

Zwischenzeitlich waren wir sehr gefährdet und es wäre sicherlich besser gewesen in eine Klinik zu gehen, aber wir konnten uns dazu nicht entscheiden, auch weil wir so verzweifelt sind. Wir merken wie viel wir eigentlich nur für die Therapie getan haben und weniger für uns. Wir sind uns nicht wichtig genug und deshalb auch ziemlich gefährdet gerade.

Der Gedanke kommt, das alles keinen Sinn mehr hat und wir nie wieder so viel Vertrauen aufbauen können. Auch nicht bei einer neuen Therapeutin, falls wir jeh wieder eine bekommen.

Katastrophe für uns.

Thera fragt nach…

Es ist komisch wieder zu hause anzukommen, auch wenn wir nun seit über einer Woche wieder hier sind. Es kommen nicht nur die Alltagsprobleme auf den Plan, nein, es müssen sich auch noch und wieder existanzielle Probleme einmischen. Der Schutz der Klinik ist nun vorbei und wir sind wieder ins Leben zurück geworfen. Gedacht normal weiter machen zu können kommt unsere Thera und stellt die alles entscheidende Frage…

Gab es nach der Klinik Täterkontakt? Und wir können weder ja noch nein sagen.

Was ist das nur immer, dass es diese Unsicherheiten im Innen gibt? Das macht uns tierisch Angst. Das es immernoch Innens gibt, die sich uns entziehen, die unsichtbar sind, die im Hintergrund agieren die die Fäden ziehen, an unserem Bewusstsein vorbei.

Wir fühlen uns betrogen und belogen vom eigenen Innenleben.

Zuerst gibt es ein klares Nein als Antwort auf die Frage nach dem Täterkontakt. Aber auf weitere Nachfrage und Nachbohren wird es still im Innen, unheimlich still, da gibt es noch Unbekanntes das sich nicht zeigen will und diese verräterische Stille macht uns Angst und zeigt uns, dass da etwas nicht stimmt. Unbegreifliches, das wir nicht greifen können. Und dann fallen uns verräterische Anzeichen auf und wir werden noch misstrauischer.

Aber die Frage ist was machen wir jetzt damit? In Hoffnungslosigkeit zu versinken passiert zwar schnell, ist aber nicht hilfreich. Die Augen zu machen, alles einfach leugnen und denen glauben, die alles abstreiten ist naiv und damit auch nicht hilfreich. Also heißt es achtam bleiben, aufpassen, wachsam bleiben allem gegenüber was von außen oder innen an uns herangetragen wird. Nach Innen fragen wer was weiß, wer was gehört oder gespürt hat, wer jemanden kennt der jemanden kennt der jemanden kennt… Und das ist einfach total anstrengend, so dass der Alltagskram mal wieder auf der Strecke bleibt.

Wir haben nichts von dem geschafft, was wir im außen hätten schaffen wollen. Sei es einkaufen, Abwasch, Wäsche waschen, Organisatorisches Zeugs, Telefonate führen, Termine machen,… Das muss wohl warten.

Aber es ist ja wichtig abzuklären was mit uns passiert.

Nur wie???

Wieder zu Hause

Wir sind jetzt nach 10 Wochen Klinikaufenthalt wieder zu Hause und es ist so schwer hier wieder anzukommen. Dies war ein sehr intensiver Aufenthalt, wahnsinnig anstrengend, aber auch sehr hilfreich. Wir haben uns mit so vielen Themen beschäftigt und vor allem viele Traumabearbeitungen und Konfrontationen gemeistert.

Was uns im Moment so schwer fällt ist das Ankommen des gesamten Systems, das durch den Klinikufenthalt verändert, erneuert, vergrößert wurde. Es sind einige Innens dazugekommen, aufgewacht oder sie wurden aus ihren Flashbacks herausgeholt, so dass sie sich im Hier und Jetzt neu orientieren müssen. Dadurch kannten sie nur die Klinik, die Pflege, die Therapeutin und einige wenige MitpatientInnen. Nun, hier in unserer Wohnung gilt es sie wieder neu zu orientieren, ihnen alles zu zeigen und den Alltag wieder in Angriff zu nehmen.

Das Ankommen beinhaltet auch die erneuten Besuche bei unserer ambulanten Therapeutin, die mit uns zusammen das System neu kennen lernen muss und anders herum. Das ist wahnsinnig spannend.

So sind wir also auf dem Weg uns wieder neu einzufinden. Was die ganze Sache etwas schwierig gestaltet ist die Situation, dass im Moment viele für uns schrierige Tage sind, die uns regelmäßig destabilisieren. Es ist also eine Art Generalprobe neue Denk- und Handlungsmuster zu etablieren und so die schwierigen Tage alleine zu meistern ohne in der nächsten Klinik zu landen. So der Plan und der Wunsch.

Mal sehen.

vierte Woche Klinik – Angst

Mir macht Angst wenn ich die Kontrolle verliere, über mich, über mein Leben, über meine Gedanken und Handlungen. Ich dachte immer ich hätte den Überblick über mein Leben, aber das stimmt so einfach nicht und das macht mir Angst. Ich habe Angst nur ein Teil eines Persönlichkeitssystems zu sein und nicht über alles entscheiden zu können. Ich habe Angst, dass in uns noch Antile sind, die ich noch nicht kenne, und die uns schaden könnten. Ich habe Angst vor Schmerzen.

 

Es ist so einfach zu sagen wir haben Angst vor Schmerzen und Folter, aber so einfach ist das nicht. Das klingt wie viel zu wenig. Wir haben nicht nur Angst davor, wir wollen lieber sterben als das noch weiter zu erleben.

 

Wir haben Angst vor draußen, vor Menschen draußen. Es ist so verwirrend was die alle so tun. Wir haben Angst, dass die uns was tun. Auch wenn die sagen sie machen das nicht.

 

Ich habe Angst vor dunkel, wenn es Nacht wird.

Ich habe Angst vor Helligkeit, weil ich das nicht kenne.

 

Was ist Angst? Wenn man was nicht will?

 

Wir haben Angst davor, dass man uns in die Finger bekommt und wir schlimm bestraft werden. Wir haben angst vor höheren Mächten. Wir haben Angst dass die immer wissen wo wir sind und was wir machen und sagen. Unsere Todesangst kommt von kleinen Innens. Wenn ein Innen in Todesangst war, dann spalten wir. Und wenn wir zu der Angst hinspüren, dann kommt immer auch die Nähe zu der oder dem, dem wir die Angst und die Foltershmerzen abgenommen haben. Deshalb haben wir Angst vor einer Bearbeitung der Angstsituationen. Alle von uns waren schon in Todesangst. Wenn wir da hingucken, dann wird eine Kette losgemacht, die von Todesangst zu Todesangst geht. Als wir die Programme bearbeitet haben, mussten wir von einem Innen zum anderen gehen, weil wenn man zu der Todesangst hinspürt ist das eine Innen nicht mehr da und ein anderes Innen kommt vor und so geht das immer weiter, je nach dem wie viele daran beteiligt sind.

 

Ich habe Angst verrückt zu werden vor lauter Angst.

 

Frau Therapeutin sagt: Junge Innenpersonen führen ihre Jobs aus, für die sie trainiert wurden. Programmierung heißt, dass Bedürfnisse von der Todesangst jüngerer innerer Anteile getragen sind. Auch der Wunsch das Geschehene zu leugnen ist eine Folge von Programmierung.

Zweite Woche Klinik – Atmen

Jetzt sind wir zwei Wochen hier in der Klinik und die große Daueranspannung hat sich etwas gelegt. Der Feiertag ist vorbei, der nächste noch nicht da, wir haben einige der PatientInnen kennen gelernt und die Abläufe sind uns vertrauter. Wir können unser Klinikleben so vorhersagbar wie möglich gestalten um so ein bisschen mehr Sicherheit und Ruhe zu bekommen. Erkenntnis: Es ist gut hier zu sein. Das sehen zwar nicht alle innen so, aber es gibt schon eine gemeinsame Grundhaltung.

 

DIe Arbeit in den Einzelsitzungen war von Anfang an ziemlich intensiv. Wir konnten direkt an den letzten Aufenthalt anschließen und es gab keine Fremdelphase oder ähnliches. Nur sind einige Innens noch etwas skeptisch was auf uns zukommt. Frau F. kann sich gut in uns hineindenken und kennt unsere Themen. Wir schreiben ihr. Laaange Texte, die morgens in ihr Fach wandern und sie liest sie sogar. Das hat uns zu Beginn sehr erstaunt, sind wir doch immer der Meinung wir schreiben Blödsinn, wir nerven oder das was wir schreiben interessiert eh niemanden. Aber sie bleibt am Ball und spricht alles mit uns durch.

 

Die ersten Tage sind wir wie benebelt hier durch die Flure gelaufen und Frau F hat das genau beobachtet, sie sagt wir atmen nicht richtig. Es ist wohl so, dass uns durch die Täter der natürliche Atemreflex abhanden gekommen ist. Wir atmen ein und halten dann die Luft an. Das erzeugt Stress im Nervensystem. Besser ist es erst auszuatmen, dann eine kleine Atempause zu machen und dann dem natürlichen Einatemreflex zu folgen. Atemübungen in der Gruppe sind für uns genauso schwierig, wie Atemübungen im Einzel. Aber wir merken, dass es uns gut tut etwas darauf zu achten und nicht dauernd die Luft anzuhalten. Im Kopf hören wir immer wieder, wie wir angeschrien werden „ATME“ und es in uns den Wunsch gibt das Atmen einfach einzustellen. Dann tut es nicht mehr weh, dann ist Ruhe, dann ist es vorbei. Nun üben wir das Atmen. Eigentlich doch eine Grundlage zu der wir fähig sein sollten, denken wir. Das es so schwer sein kann etwas dermaßen grundlegendes zu tun….?

 

Tag der Mutterfrau

Das heutige Thema war Selbstregulation, den ganzen Tag lang. Tag er Mutterfrau ist überall um uns herum, beim Frühstück, auf dem Flur, in sämtlichen Gesprächen, Besuche von Familien der MitpatientInnen, Blumensträuße, Geschenke,…

Die Mutterfrau war nicht nur Dulderin, sondern auch Mittäterin. Sie hat nicht nur weg geschaut, sondern war aktiv beteiligt. Innens wissen es und erinnern sich. Es gab kein sicheres Zuhause, keine sichere Mutterfigur. Warum sollten wir der Mutterfigur dankbar sein? Alles, was sie gemacht hat war, uns in diese schrecliche Welt hineingeschubst zu haben und uns dann dem Terror überlassen hat.

Wir sind traurig, aber das ist ok. Das ist ein unschönes Gefühl, aber das halten wir aus. Viel schlimmer sind die Bilder, Schmerzen, die körperlichen Erinnerungen, die Angst….

Aber wie es in unserer Gleichzeitigkeit so ist, denken nicht alle Innens so. Da gibt es noch welche, die die Mutter Mimimi vermissen. Aber auch sie haben die Unberechenbarkeit der Mutterfrau kennen gelernt und vermissen sie trotzdem. Paraox eigentlich. Weil es doch kleine Momente gab, die lieb und nett waren.

Waren Menschen von draußen da, von der hellen Seite, dann war sie herzlich, hat uns über den Kopf gestreichelt und ihre Hand in unseren Nacken gelegt. Heute wissen wir, dass das Berührungstrigger sind, die uns anhalten bloß nichts falsches zu sagen, uns zum Schweigen zu bringen und immer nett zu lächeln.

Kaum waren wir alleine, wurden wir hauptsächlich ignoriert, was ok war, denn wenn wir nicht ignoriert wurden, dann wurden wir für irgendetwas bestraft, was halt gerade da war. Für ein falsches Wort, ein falscher Gesichtsausdruck, wir standen im Weg oder waren zu weit weg, haben dies und jenes falsch gemacht, die Gabel falsch neben den Teller gelegt, das Wasserglas schmutzig gemacht, etwas gemalt oder gespielt, whatever….

Ganz abgesehen davon uns für Ged verscherbelt zu haben…

Was ist das also für eine Mutter?Sollten wir dankbar sein am Leben zu sein? Ihr haben wir das nur am Rande zu verdanken, denn wir sind unter ihrer Hand schon hunderttausend Tode gestorben.

Wir sind heute den ganzen Tag mit Selbstregulation beschäftigt, so viel zum Wochenende Teil 2.